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Deutz F2L514 / 4
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Hersteller:
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Klöckner Humbold Deutz AG.
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Typ:
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F2L514 / 4
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Baujahr:
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1957
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zu. Ges.-Gewicht:
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2600 kg
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Leistung:
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30 PS bei 2100 U/min. (22 kW)
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Hubraum / Zyl.:
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2660 ccm / 2 Zylinder
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Besonderheiten:
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Besitzer: Friedhold Thiel, Mörsbach
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Mein Lebenslauf
verfaßt von Friedhold Thiel
Ich habe am 05.05.1957 bei dem großen Motoren- und Schlepperhersteller Klöckner-Humbold-Deutz (KHD) das Montageband verlassen. Ausgeliefert wurde ich an den Großhändler Firma Finger in Köln, die mich an einen Gemüsebauern im Raum Köln verkaufte. Der Name des Bauern ist leider nicht mehr ausfindig zu machen. Der Grund weshalb kommt später.
Bei meinem ersten Herrn musste ich recht schwere Arbeit verrichten, die mir aber auf Grund meiner Jugend und meiner unbändigen Kraft mit satten 30 PS nicht besonders schwer fiel. Im Jahre 1958 bekam ich noch einen Frontlader verpasst. Meine Jugend verlief recht harmonisch, bis zu jenem furchtbaren Märztag im Jahre 1959. Es war ein regnerischer Tag, der Boden war rutschig, mein Herr hatte einen schweren Wagen mit Stallmist an meine Anhängerkupplung gehängt und fuhr mit mir aufs Feld. Es ging recht steil bergab, der schwere Wagen drückte unheimlich. Trotz meines hohen Leergewichts von 2 to. konnte ich mich nicht mehr halten. Der Frontlader war auch noch ziemlich hoch ausgefahren, ich wurde kopflastig und fiel um. Mein Herr konnte nicht mehr abspringen und kam leider unter mir um.
Das Leid meiner Besitzerfamilie war riesengroß, man beschimpfte mich und machte mich verantwortlich für den schweren Unfall, ich war plötzlich zum Mörder geworden!
Ich versichere, ich bin kein Mörder, niemals!
Mein Herr hatte die Situation unterschätzt und auch noch einen Fahrfehler begangen. Wie ich es schon geahnt hatte, wurde ich wieder an die Firma Finger verkauft. Man wollte keinen Mörder im Hause haben. Mir war es recht, es war sowieso ein ganz beklommenes Verhältnis zwischen mir und meiner ersten Besitzerfamilie. Im Hof der Firma Finger stand ich Regen, Hitze und Kälte im Freien.
Man hatte mich im Mai 1959 abgemeldet. Mein erster Kraftfahrzeugbrief und die Abmeldung gingen verloren. Man hatte nicht sonderlich darauf geachtet, weil man von mir sowieso nichts mehr wissen wollte. So stand ich nun vom Mai 1959 bis zum März 1961 (noch verhältnismäßig jung, 4 Jahre erst) bei der Firma Finger im Hof. Die Bauern, die mich ab und an schon mal unter die Lupe nahmen, wollten nicht mehr so recht anbeißen, wenn sie meine Vorgeschichte erfuhren. Aber wie schon erwähnt, im März 1961 war dann für mich wieder ein Glückstag. Meinte ich, aber es kam anders.
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Vor der Restaurierung - viel Arbeit und ein hoher finanzieller Aufwand erwarten den Besitzer © Friedhold Thiel
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Der Baustoffhändler und damals noch Landwirt Paul Hassel aus Bodenseifen bei Gebhardshain im Westerwald suchte einen Schlepper mit Frontlader, schaute bei der Firma Finger vorbei und kaufte mich für billiges Geld. Der Preis blieb geheim und konnte auch nach Bitten meines jetzigen Herrn nicht in Erfahrung gebracht werden.
Ich wechselte also von Köln in den Westerwald. Die Fahrt per LWK dauerte ca. 1,5 Stunden und unterwegs sah ich schon, was mich erwartete. Das Gelände wurde immer hügeliger und bergiger. „Hier musst du schwer schwitzen“ schoss es mir in den Kopf, und so wurde es dann auch. In Bodenseifen angekommen, wurde mein Blutstand (Ölstand) kurz überprüft, etwas nachgefüllt und ich wurde sofort eingesetzt als Ladegerät für Baustoffe (Sand, Steine usw.). Ich dachte, mein Blut (Öl) würde mal ganz ausgetauscht, war es doch von Stehen in Hitze und Kälte recht dick geworden, aber da hatte ich mich getäuscht. Pustekuchen!
Ich musste hart arbeiten im Baustoffhandel und in der Landwirtschaft. Da ich einen Frontlader hatte, wurde ich auch oft ausgeliehen an Freunde und Arbeitnehmer der Firma Hassel. Die Arbeitnehmer brauchten mich meist beim „Häusle bauen“, zum Ausschachten etc. Ich kann Ihnen sagen, eine Schinderei war das. Ich schwitzte aus allen Nähten und mein dickes altes Blut wurde heiß = roter Bereich in der Temperaturanzeige. Damals ging sie noch, später war auch sie defekt und kein Mensch achtete mehr auf meine Temperatur, es war im Sommer die reinste Hölle – Luftkühlung, Pflege dürftig, Luftöffnungen verölt usw. Auch in Bodenseifen und an den Wochenenden bei den „Häuslebauern“ stand ich meist im Freien.
Es kam, wie es kommen musste. An einem Regentag – ich hatte schwer gearbeitet – war es erst heiß und nachher goss es in Strömen, mein Anlasser zog Feuchtigkeit und es kam zum Kurzschluss. Auch die übrigen Nervenbahnen (Elektrik) waren schwer in Mitleidenschaft gezogen, ich „sprang“ nicht mehr an. Ich „fraß“ eine Batterie nach der anderen, wurde nur noch vom LKW angezogen. Jeder Fachmann und/oder Laie fummelte an meiner Elektrik herum. Das Ergebnis war negativ.
Nun kam ich zum zweiten Mal in meinem Leben aufs Abstellgleis, weil ich ohne Vorglühen nur sehr schwer anspringe, durch meinen langen Hub und die große Kubikzahl. Auch sonst war mein Zustand erbärmlich, Um eine große Bodenhaftung zu erhalten, hatte man mir schwere Betongewichte verpasst. Mein schon relativ hohes Eigengewicht plus Beton drückten ganz erbärmlich auf alle Bolzen, Lenkgestänge, Achsen und Lager und hatte diese im Laufe des harten Arbeitslebens ziemlich ausgeschlagen. Alles rappelte und klapperte an mir. Ergeben wartete ich auf ein neues Schicksal.
Mein zweiter Besitzer meldete mich am 06.12.1962 ab. Ich war immer noch recht jung, gerade mal 6,5 Jahre, aber schon hart angeschlagen. Die Abmeldung sollte nur vorübergehend sein, ich sollte noch mal repariert werden. Jedoch das Geschäft meines Herrn lief sehr gut uns so wurde ich von einem Gabelstapler abgelöst, der sehr hochnäsig und schnippisch war. Ich dachte nur: „Dir wird das Lachen schon vergehen“. Und so war es. Endstation Lagerplatz hinterste Ecke, abgestellt in den Brennnesseln. Abgemeldet am 07. Januar 1964.
Fast zugewachsen und vergessen sah mich der Land- und Gastwirt Hermann Moll (Molls Hermann) aus Malberg (Hommelsberg) mehr aus Zufall. Das war wohl so um 1975. Er wollte mich unbedingt kaufen und wurde mit Paul Hassel handelseinig. Für 300,00 DM wurde ich verkauft und wechselte nach Malberg zum Gasthaus Moll in die Landwirtschaft. Einerseits war ich richtig froh, dass ich wieder gebraucht wurde, war aber doch bald enttäuscht, weil ich bei zwei Bauern Dienst tun musste und auch öfters wieder an Häuslebauer usw. verliehen wurde.
Der zweite Bauer war Hermann Hüsch (Wellersch Herman). Ölwechsel nie, nur Öl nachfüllen. Die Kurzschlüsse in meiner Elektrik waren natürlich nach wie vor nicht repariert. Immer wenn ich arbeiten sollte, musste ich angezogen werden. Beide Bauern bekamen neue Schlepper, die das Anziehen dann übernahmen. So kam ich allmählich in die Jahre und wurde zuletzt nur noch zum Mist laden gebraucht, weil ich stark und schwer war. Ich wurde ausrangiert, weil meine Zapfwellen-Drehzahl für die neuen Maschinen zu gering war. Meine Motordrehzahl beträgt nämlich nur 1550 U/min. Ich stand wieder 13 Jahre im Freien. Meine Haut war ganz faltig und rostig geworden, von Lack fast keine Spur mehr.
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So macht es Spass - top in Schuss bei prima Wetter vor einer schönen Kulisse flanieren © Friedhold Thiel |
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Dann kam im Jahre 1992 ein Glücksfall meinem Leben zu Hilfe. Mein jetziger Besitzer (übrigens der fünfte) sah mich in meinem erbärmlichen Zustand. Es war Liebe auf den ersten Blick. Er flüsterte mir in den Luftfilter: „Ich hole dich hier raus!“. Er musste aber noch zwei Jahre werben, ehe Hermann Hüsch zustimmte und mich im Oktober 1994 übergab. Ich wurde abends bei Dunkelheit ohne Zulassung und Beleuchtung auf Schleichwegen nach Niedermörsbach von meinem jetzigen Besitzer Friedhold Thiel eigenhändig überführt, das ließ er sich nicht nehmen.
Jetzt bekam ich eine Schönheits- und Gesundheitskur von innen und außen, wie ich sie noch nie erlebt hatte. Ich bekam warme Bäder, neue Luft- und Ölfilter, neues Blut (Öl), mein Motor wurde überholt und und und. Ich kann gar nicht sagen, wie ich mich fühlte.
Nach ca. 350 Arbeitsstunden meines neuen Herrn und über 5.000,-- DM Materialkosten wurde ich zu dem, was ich heute bin. Ich fühle mich wieder richtig jung. Ich bekomme wieder Luft, habe wieder frisches Blut (Transfusion) und bis heute noch nicht wieder richtig geschwitzt. Die Temperatur-Anzeige geht wieder, ich war noch nicht im roten Bereich.
Oft möchte ich, wenn ich im Frühjahr einen schönen Acker sehe, noch einmal richtig pflügen. Mein Herr aber sagt: „Ruhig, alter Knabe, du hast genug gearbeitet. Schone dich, du sollst mir noch lange bei guter Gesundheit erhalten bleiben, also teile deine Kräfte ein.“ Er hat mir noch eins versichert: Ich würde nie, nie mehr zu seinen Lebzeiten an einen anderen verkauft. Ich bekäme bei ihm das Gnadenbrot. Das tut mir gut!.
Ich danke meinem Herrn mit vollen 30 PS, die ich heute noch an Leistung bringe. Nach der im März 1995 fertigen Restaurierung kann er mich auch in meiner vollen Schönheit vorführen. Schließlich wurde ich im nach einer Unbedenklichkeitsbescheinigung und eines Führungszeugnisses meines Herrn beim Kraftfahrtbundesamt in Flensburg am 12. Mai 1995 zugelassen. Das ist jetzt mein dritter Fahrzeugbrief. Es muss ja alles seine Richtigkeit haben, damit ich mich auf allen Straßen frei bewegen darf.
Dieser Lebenslauf wurde im Dezember 2008 zur Veröffentlichung überarbeitet. Ich bin jetzt 51 Jahre alt. Mal sehen, was das Leben noch so bringt.
Mit freundlichem Gruß
Ihr alter Deutz F2L 514/4
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